Die Tonbandgerätewerkstatt, Tonbandgeräte Reparatur und Restaurierung

 

 

 

B77 offen

Unabhängig davon, dass ich mich mittlerweile auf Studer und Revox beschränke, will ich hier einige allgemeingültige Informationen geben.

Zwei Fragen stehen zunächst im Vordergrund:
1. Lohnt sich das?
2. Wie groß sind die Erfolgsaussichten?

... und außerdem:
3. Wie verpackt man sowas?

Eine auch oft gestellte Frage:
4. Kümmere ich mich auch um verbastelte Geräte?

Unabhängig davon, dass ich mich mittlerweile nur noch auf Studer / Revox konzentriere, hier einige mehr oder weniger allgemeingültige Informationen:

1. Ob es sich lohnt oder nicht...
... muss jeder für sich selbst beantworten. Für die Reparatur eines Gerätes Geld auszugeben, das Jahrzehnte alt ist, hat in der Regel mehr mit Liebhaberei zu tun als mit rationellen Überlegungen.
Wenn es nur darum geht, den Inhalt alter Bänder zu erhalten und sie mal wieder hören zu wollen, kann man sich die Bänder z.B. auf CDs überspielen lassen, dazu muss man nicht sein altes Bandgerät reparieren lassen.
Wenn aber Erinnerungen an dem Gerät hängen, und man sich daran erfreuen kann, wenn es wieder läuft wie damals, dann sieht man die Investition mit anderen Augen.
Insbesondere, wenn es ein Gerät der oberen Preisklasse war, sind z.B. 200€ * für eine fachgerechte Reparatur oder 700€ * für eine komplette Generalüberholung nicht viel Geld. Gerade die Geräte der oberen Preisklasse (bis auf wenige Ausnahmen) lassen sich in der Regel in einen nahezu neuwertigen Zustand zurück versetzen.

2. Ob ein Reparaturversuch Aussicht auf Erfolg hat...
... hängt ganz wesentlich vom Gerät selbst ab.

Geräte für große Spulen:

Bis auf wenige mir bekannte Ausnahmen sind fast alle Großspulengeräte (26er Spulen) mit Erfolg reparierbar.

Ausnahmen sind ...
... das SG630 / 631 von Uher. Der Omega Drive Antrieb war von Prinzip her eine gute Idee, die aber praktisch nicht vernünftig zu realisieren ist.
... das N4450 von Philips. Dieses Gerät ist die Fortsetzung der verspielten wackligen und zu schwach dimensionierten Philips Konstruktionen in den Bereich der Großspulengeräte, technisch gesehen eine Katastrophe.
... das N7300 von Philips. Plastik soweit das Auge reicht, selbst an kraftübertragenden Teilen. Das Maximum des technischen Unsinns.

Etwas solider gebaut als der ganze Rest waren bei Philips die N4520 (4522) und bei Grundig die TS1000. Leider haben die Entwickler sich zwar in der Verwendung von Kunststoffteilen einigermaßen beherrschen können, haben den Geräten jeweils ein beeindruckendes Gewicht verpasst, aber doch unnötige Spielereien und Schwachstellen eingebaut. Damals ging es darum, mit möglichst vielen Funktionen Kunden anzulocken, heute ist alles störanfällig, klapprig und ausgeleiert.
An einigen Details kann man sehr wohl erkennen, dass die Revox A700 als Inspiration gedient hat.
Wie wichtig es aber gewesen wäre, die Dinge ähnlich robust und präzise wie bei Revox zu machen, hat man offensichtlich nicht verstanden.

Revox Geräte sind alle mit Erfolg reparierbar. Dies kann man nicht oft genug betonen.

Bei japanischen Geräten ist die Ersatzteilbeschaffung schwierig und dieses Problem wird von Jahr zu Jahr größer.
Einige Japaner sind so übel verbaut und voller Kabelstränge, dass man für die gleiche Arbeit dreimal so lange braucht wie bei einer Revox. Mechanisch sind die japanischen Großspulengeräte meist ganz ordentlich gebaut.

Geräte für max. 18er Spulen:

Hier gibt es durchaus viele solide gebaute Geräte, die ähnlich konstruiert sind wie Großspulengeräte aus gleichem Haus. Bei diesen sind die Erfolgsaussichten ebenfalls sehr hoch. In diese Gruppe fallen viele japanische Geräte wie z.B. die RT707 von Pioneer, die X7 von TEAC, etliche Akai Geräte, aber auch die 5000er Geräte von ASC und deren Vorgänger von Braun (22er Spulen). Alle diese Geräte haben drei Motoren und sind mindestens 15kg schwer.

Es gibt leider aber auch die Massenware, bei der jede technische Vernunft im Preiskampf unterging. Beispielhaft seien hier die meisten Geräte von Grundig, Telefunken und Philips genannt, so schwer es mir auch fällt. Nur in seltenen Fällen hat hier die Arbeit Aussicht auf Erfolg. Zu schwach und zu empfindlich ist oft die Mechanik mit blechernen Hebelchen, Schub- und Zugstangen, zu billig das verwendete Material (die Plastikorgie bei Philips), zu dürftig die Schaltungstechnik als Ganzes.

Exoten:
Manche Firmen der HiFi Branche haben sich in den 60er und 70er Jahren mit einigen wenigen Modellen an das Thema Tonbandgeräte herangewagt, es aber bald wieder bleiben lassen. Dabei ist durchweg nichts Vernünftiges herausgekommen. Diese Geräte waren unausgereift, eine Ersatzteilbeschaffung ist heute so gut wie unmöglich, der Sammlerwert nahe Null. Auch hier verlaufen Reparaturversuche in der Regel enttäuschend.
Folgende Auflistung mag unvollständig sein, aber wenn auf dem Gerät nicht einer dieser Namen drauf steht, zählt das Gerät zu den Exoten, zumindest hier in Deutschland:
ASC, Akai, Braun, Grundig, Philips, Pioneer, Revox, (Saba), Sony, Studer, Tandberg, Teac, Technics, Telefunken, Uher.

Kosten

Die Kosten für eine Reparatur sind hauptsächlich durch den Arbeitsaufwand bestimmt, weniger durch Ersatzteilpreise. Wegen ihrer deutlich robusteren und wartungsfreundlicheren Bauart sind die Geräte der oberen Preisklasse in der Regel schneller repariert als die damals preiswerteren Geräte. So kommt es oft vor, dass z.B. die Reparatur einer Revox (damals die 2000DM Klasse) weniger kostet, als die Reparatur eines damaligen 500DM Gerätes.

Ich verfüge über das erforderliche Fachwissen, Jahrzehnte an Erfahrung und die komplette Werkstattausstattung, die besonders für Tonbandgeräte notwendig ist. Hier wird nicht gebastelt, sondern gewissenhaft gearbeitet. Gerne darf man bei der Arbeit zusehen, oder das fertige Gerät abholen. Dies ist mir sogar ganz recht, weil man dann Funktion und technische Daten gemeinsam kontrollieren kann.
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3. Wie kann man ein Tonbandgerät verpacken?

Ich hatte hier seit vielen Jahren Verpackungstipps stehen, die zum Glück von sehr vielen Kunden beherzigt wurden. Trotzdem kam es in den letzten Jahren zu Transportschäden.
Wenn man einmal die Förderbänder und Sortieranlagen der großen Paketversender oder ein voll gepacktes Zustellfahrzeug von innen gesehen hat, wundert man sich allerdings über Transportschäden ohnehin nicht mehr.
Ich habe daher für mich die Entscheidung getroffen, keine per Paketdienst transportieren Bandgeräte mehr anzunehmen.

Was funktioniert, aber nur bei den ganz schweren Maschinen sinnvoll ist: Transport auf Palette.
Die Maschine ist dabei in einem stabilen Karton eingepackt und auf eine Palette geschnallt.
Ganz großer Vorteil: Da gibt es keine Überschläge, oben ist immer oben.

* Je nach Gerätetyp
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4. Kümmere ich mich auch um verbastelte Geräte?

Jahrelang habe ich diese Frage mit "JA, aber" beantwortet.

Aufgrund einer Vielzahl gemachter Erfahrungen lautet die Antwort in Zukunft: Nein

Ich bin auf dieser Welt nicht der einzige, der Bauteile einkaufen und der löten kann. Am Liebsten sind mir immer die Geräte, die im Originalzustand sind. An Geräten mit Vorarbeiten habe ich mittlerweile leider alles gesehen, von "sehr gut gemacht" bis "zu Tode gebastelt".

Ich bin daher in diesem Punkt anspruchsvoll, was die Bauteileauswahl, die Art der Bestückung und die Lötqualität angeht. Auch wenn ich ein vermeintlich schon überholtes Gerät auf den Tisch bekomme, nehme ich es auseinander und kontrolliere die korrekte Bestückung, die Lötqualität und insbesondere die Arbeiten an der Mechanik.

Bauteileauswahl: Wo ein axialer Kondensator war, hat auch wieder ein axialer zu sein.
Bauteilevorbereitung: Anschlüsse werden nicht einfach nur gespreizt, um auf das erforderliche Rastermaß zu kommen. Die Anschlüsse werden so vorgebogen (eventuell so gekauft), dass sie senkrecht in die Bohrungen passen.
Anschlüsse werden auf der Lötseite nicht umgebogen.
Es wird sauber gelötet und anschließend wird die Platine gesäubert.

Hier sieht man radiale Bauformen, wo axiale hingehören:

Gewaltsam gespreizte Anschlüsse eines Elkos

Verbogene und schräg stehende Anschlüsse, außerdem unschöne Flussmittelreste:

Kondensatoren, vorgebogen auf Rastermaß 5mm:

So hat ein radialer Kondensator zu sitzen:

So hat der A77 Eingangsverstärker auszusehen:

Lötseite nach der Säuberung

Übrigens hat es seinen Grund, weshalb einer der beiden axialen Elkos immer auf der Unterseite sitzt.
Beide oben sieht zwar aufgeräumter aus, zeigt aber, dass der Bastler etwas nicht verstanden hat.

 

So sehen ordentliche Lötstellen aus

Grausamer Anblick eines A77 Wiedergabeverstärkers:

Zwei axiale Elkos notdürftig durch radiale ersetzt.

Oben Pfusch, unten richtig

So hat ein A77 Wiedergabeverstärker auszusehen:

Und übrigens:
In das Netzteil der A77 gehört ein Elko dieser Bauform und nichts anderes:

Die Bastler wissen schon, was ich meine.
Dieser Kondensator kostet zwar 2€ mehr als normale axiale oder radiale Bauformen, ist aber leicht beschaffbar und es gibt somit keinen Grund für abenteuerliche Provisorien.

Was ich hier beschreibe, hat nichts mit der Funktion zu tun.
Es geht einerseits um das ästhetische Empfinden und soll andererseits einen gewissen Respekt denjenigen gegenüber zum Ausdruck bringen, die diese wunderbaren Geräte damals entwickelt und gefertigt haben.
Wem solch eine Denkweise fremd ist, der möge bitte nicht an Studer- oder Revox-Geräten herumbasteln.

 

Aus eben diesen genannten Gründen (es gibt noch viel üblere Beispiele) werde ich extrem sensibel, wenn bei Neuanfragen das Wort "nur" vorkommt.

- Es sei schon alles gemacht, ich solle "nur" die Justierungen durchführen.
- Gerät ist in einer Fachwerkstatt überholt worden, es gäbe "nur" eine Kleinigkeit, die nicht richtig funktioniert.
- Gerät funktioniert tadellos, ich solle "nur" mal alles prüfen und quasi die Vorarbeiten absegnen.

Aus gemachter Erfahrung kann ich sagen: "Nur" hat es noch nie gegeben.

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 15.06.26

Fachwerkstatt für HiFi-Geräte, speziell Tonbandgeräte.